
Nach einer Haartransplantation dreht sich viel Unruhe um eine Frage: Sitzen die Grafts schon fest? Das ist verständlich, denn in den ersten Tagen fühlen sich die transplantierten Haare empfindlich an und jede Berührung kann aufregend sein. Gleichzeitig verändert sich die Verankerung der Grafts schnell. Was an Tag 1 noch empfindlich ist, ist um Tag 7 meist schon deutlich stabiler. Es hängt vor allem davon ab, was Sie genau mit "fest" meinen und welche Kräfte in dieser Phase noch Schäden verursachen können.
Was passiert unmittelbar nach dem Einsetzen der Grafts?
Ein Graft ist ein kleines Hautstück mit Haarfollikeln, das in einen winzigen Kanal in der Kopfhaut eingesetzt wird. In den ersten 24 bis 48 Stunden sitzt ein solcher Graft hauptsächlich mechanisch an seinem Platz: Er passt genau in den Kanal, während der Körper währenddessen mit dem Wundverschluss beginnt. Es bildet sich eine dünne Schicht Blutplasma, die eintrocknet und Krusten verursacht. Das ist in der Regel kein Zeichen dafür, dass ein Graft sich löst, sondern dass der Heilungsprozess in Gang kommt. In dieser Phase können Reibung und Stöße Probleme verursachen, da die Verbindung mit dem umliegenden Gewebe noch zart ist. Deshalb sind das Schlafen mit Druck auf dem Bereich, das Bücken, das Ziehen an Krusten und unvorsichtiges Waschen gerade in den ersten Tagen am riskantesten.
Wie schnell sitzen Grafts fest? Der Zeitplan der Verankerung
Das Festsitzen von Grafts ist keine Ein-Aus-Geschichte. In den ersten Tagen entsteht schrittweise eine stärkere biologische Verankerung: Die Einstichöffnungen schließen sich, um den Graft herum bildet sich neues Gewebe und die Durchblutung stabilisiert sich. Um Tag 3 bis 5 sind Grafts meist schon deutlich weniger verschiebbar als an Tag 1, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei normaler, vorsichtiger Berührung etwas löst, stark abnimmt. Der Bereich bleibt jedoch empfindlich für scheuernde Kräfte. Hartes Reiben mit einem Handtuch, Kratzen oder das Ablösen von Krusten kann noch immer Reizungen und Wunden verursachen und im ungünstigsten Fall zum Verlust eines Grafts führen.
Wie fest sitzen die Transplantate nach 7 Tagen?
Nach 7 Tagen sitzen die Grafts in den meisten Fällen gut fest. Die Einstichöffnungen sind dann größtenteils geschlossen und die Grafts sind biologisch besser in die Haut integriert. Das bedeutet, dass eine leichte Berührung oder vorsichtiges Waschen in der Regel keine Grafts mehr "aus der Haut" zieht. Die Unsicherheit entsteht oft durch die Krusten: Wer beim Waschen kleine Kruststücke sieht, könnte denken, dass Grafts mitkommen. Meist handelt es sich dabei um eingetrocknetes Wundflüssigkeit, manchmal mit Haaren, die bereits in der Kruste festsaßen. Ein wirklich verlorener Graft sieht anders aus, nämlich wie ein kleines Gewebsstück mit einer bulbusartigen Basis, oft mit etwas Blut. Im Zweifelsfall ist es klüger, ein Foto beurteilen zu lassen oder die Klinik zu kontaktieren, als selbst daran herumzupulen.
Sind meine Grafts nach 7 Tagen beim Waschen, Schlafen und Sport noch empfindlich?
Auch wenn die Grafts nach einer Woche gut festsitzen, kann die Haut noch reizbar sein. Waschen ist in der Regel wieder etwas normaler möglich, aber raues Massieren oder Spülen mit hohem Druck kann die heilende Haut reizen. Es ist daher besser, tupfend zu trocknen als zu reiben, und Krusten in ihrem eigenen Tempo abfallen zu lassen. Schlafen ist nach 7 Tagen oft komfortabler, obwohl längerer Druck oder Scheuern auf dem Kissen Rötungen und Schwellungen länger anhalten lassen kann. Beim Sport ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich, da Schweiß, Reibung durch einen Helm oder eine Mütze und erhöhter Blutdruck die Kopfhaut belasten können. Der Graft selbst sitzt meist nicht mehr lose, aber Reizungen oder eine Entzündungsreaktion können die Heilung trotzdem verlangsamen. Wer genau wissen möchte, was in der eigenen Situation ratsam ist, sollte die Nachsorgeanweisungen befolgen, die zur gewählten Haartransplantation-Methode passen.
Können Transplantate nach 10 Tagen noch locker werden? Das sind die echten Risiken
Nach 10 Tagen ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass ein Graft durch normalen täglichen Kontakt spontan losgeht. Der Wundverschluss ist dann weiter fortgeschritten und die meisten Krusten sind verschwunden oder lösen sich leicht. Die Risiken verlagern sich in dieser Phase hauptsächlich auf Reizungen, Infektionen oder Traumata. Denken Sie an starkes Kratzen bei Juckreiz, das Aufreißen eines Pickels oder eines entzündeten Haarfollikels oder einen kräftigen Stoß gegen den Kopf. Auch aggressive Haarprodukte oder zu frühes Färben kann die Haut in Aufruhr bringen. Es ist außerdem gut zu wissen, dass Haarausfall in den folgenden Wochen, der sogenannte Shock Loss, oft normal ist und nichts über das Festsitzen des Grafts sagt. Der Follikel bleibt in der Haut und beginnt später erneut zu wachsen.
Wer nach 7 bis 10 Tagen noch befürchtet, dass die Grafts locker sind, stützt diese Angst oft auf Krusten, Rötungen oder vorübergehenden Haarausfall und zieht daraus eine zu pessimistische Schlussfolgerung. In den meisten Fällen sind die Grafts dann bereits gut verankert, während sich die Haut noch beruhigt. Bei anhaltenden Schmerzen, zunehmenden Rötungen, Eiter, Fieber oder einer deutlich kahlen Stelle nach einem Vorfall ist es ratsam, zur Beurteilung Kontakt aufzunehmen.
